„Die Bahn ist auch immer zu spät!“

Ein Satz, den unter Garantie jeder Bürger beherrscht! Und zwar Egal, ob er jemals mit der Bahn gefahren ist.

Die Bahn kommt immer z"Schon wieder ist die Bahn zu Spät"u spät. Jede einzelne, Grundsätzlich, zu jeder Zeit!
Mario Barth frotzelte in seinem Programm: „In Berlin wird gemunkelt, dass Selbstmörder- die sich auf die Schienen gelegt haben, beim warten aufn Zug eines natürlichen Todes gestorben sind.“

Aber wie sieht es den nun tatsächlich mit der Pünktlichkeit aus?
Seit August 2011 gibt die Deutsche Bahn für Ihre Züge Monatlich „Pünklichkeitswerte“ bekannt. Hier kann jeder sehen, wie Pünktlich die Deutsche Bahn insgesamt in einem Monat war. Gemessen werden hier Verspätungen von mehr als 6 Minuten (5:59 min) und 16 Minuten (15:59 min)
Schaut man sich Beispielsweise die Werte für den Monat Juni 2012 an, lässt sich eines für jeden sofort erkennen: Die Bahn ist pünktlicher, als allgemein behauptet respektive vermutet wird!
94,8 % der Züge waren Pünktlich, das heißt weniger als 6 Minuten verspätet!
Das sind, bei rund 800.000 Zugfahrten (!) im Monat, lediglich 41600 verspätete Züge pro Monat.
Wieviele verspätete respektive pünktliche Züge das pro Tag sind gibt die DB leider nicht bekannt. Nimmt man allerdings den Monatswert als Basis, wären lediglich 1.481 von 27.000 Zügen der Deutschen Bahn pro Tag bis zu 6 Minuten Verspätet!
(Die 6.000 Zugfahrten privater Eisenbahnverkehrsunternehmen werden da nicht mitgezählt, da sie auch nicht in die Pünklichkeitswerte der DB mit einfließen)

Jetzt muss man sich auch einmal kurz Überlegen, was den nun 6 Minuten an Zeit sind.

Natürlich heißt es im Umkehrschluss, das die Deutsche Bahn keinesfalls IMMER pünktlich ist. Und auch nicht IMMER nur 6 Minuten verspätet ist.
Da kommt auch schonmal natürlich die Bahn 10, 20, 30 oder sogar 60 Minuten zu spät, mit der man fahren möchte. Und natürlich ist es ärgerlich.
Auch Ich ärgere mich, obwohl Ich selbst Lokführer bin, wenn mein Zug mit dem Ich zur Arbeit fahre Verspätung hat. Mehr sogar noch bei dem Zug, mit dem Ich nach Hause fahren möchte 😉

Allerdings bin Ich von einer Tatsache fest überzeugt:
Würde Ich einen Monat lang mit dem Auto zur Arbeit fahren, wäre Ich garantiert wegen Staus etc. öfters später auf der Arbeit beziehungsweise zu Hause, als wenn Ich mit der Bahn gefahren wäre!

Und Ich bin überzeugt davon, das es bei einem Großteil der täglich rund 507.000 Reisenden genau so wäre!

Vielleicht sollte man sich viel öfters Bewusst machen, wie Punktlich die Bahn eigentlich ist.
Dann wäre „die Bahn auch nicht immer zu spät“ 😉

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Eine Antwort zu „Die Bahn ist auch immer zu spät!“

  1. Pierre Ofzareck schreibt:

    Die verhältnismäßig schlechte Pünktlichkeit der Deutschen Bahn, ist eng damit verbunden, dass der Eigentümer – das ist immer noch zu 100 % die Bundesrepublik Deutschland – kaum etwas für die Bahn getan hat, aber dafür seit Kriegsende ziemlich viel dagegen. So wurden der alten Deutschen Bundesbahn beispielsweise nie die Schulden abgenommen, die nach dem Krieg nur durch die Beseitigung der Kriegsschäden bei der Bundesbahn entstanden sind. Während das für alle anderen Verkehrsträger steuerfinanziert wurde, musste die Deutsche Bundesbahn sofort riesige Schulden machen, um das Schienennetz wieder in einen befahrbaren Zustand zu versetzen. Schulden die dann allein durch ihre Zinslast den Eindruck erweckten, die Deutsche Bundesbahn würde stets nur Verluste einfahren. Dabei hat die Deutsche Bundesbahn von Beginn an immer einen Gewinn erwirtschaftet. Der war nur nie groß genug, um davon die Schulden zu bezahlen, die im Grunde nie die ihren waren.

    Erst mit der Bahnrefom, 1994. wurde der Deutschen Bundesbahn endlich die Schulden abgenommen und sie zusammen mit der Deutschen Reichsbahn in die Deutsche Bahn AG überführt. Endlich durfte das Unternehmen seine Gewinne auch als solche verbuchen. Doch man wollte ja mehr und man wollte den Laden, wie vorher die Post und die Telekomunikation auch, gerne komplett los werden. Also sollte die Bahn mit all ihrem Betriebsvermögen an die Börse. Ein aussichtsloses Unterfangen, wenn man bedenkt, das jeder einzelne Schotterstein zwischen Flensburg und Freilassing da mitzählt. Die Eisenbahninfrastruktur stellt einen Milliardenwert dar, der sich wohl kaum binnen zehn Jahren einmal komplett verzinsen lässt. Eben genau das ist aber die Mindestvoraussetzung, um überhaupt an die Börse gehen zu können.

    Dann kam Hartmut Mehdorn und tat was ihm aus dem Verkehrsministerium befohlen. Dazu trennte man sich erstmal per se von allem, was man nicht mehr dringend brauchte. Nebenbahnen, Empfangsgebäude, Ausweich und Abstellgleise. Ganze Rangierbahnhöfe fielen dem Wahn zum Opfer, sich börsenfähig schrumpfen zu müssen. Auch die Mitarbeiterzahl hat sich inzwischen nahezu halbiert.

    Auch auf Kosten der Sicherheit übrigens, denn zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn hätte der Lokführer von Brühl, der dort die 101 092 in den Garten stellte, sich noch lange seine Sporen auf einer V 60 verdienen müssen, bevor er dann mit entsprechenden Dienstjahren auf dem Buckel, mit mindestens dem Titel „Hauptllokführer“ überhaupt einen IC hätte fahren dürfen. Heute ist der Mann für sein Leben gestraft, doch die wahren Schuldigen sitzen alle in Berlin.

    Hartmut Mehdorn war es dannn auch, der aus der Deutschen Bahn AG die Deutsche Bodenhansa AG machen wollte. Mit PEP fuhr er den Konzern geradewegs voll gegen die Wand. Innerhalb eines Jahres hatte er den Leuten ein neues Preissystem mit „Relationspreisen“ vor die Nase gesetzt. Das dann aber gut ein Drittel der Fahrgäste sich lieber einen anderen Transportweg, als die Bahn ausgesucht haben, führte zum ersten negativen Betriebsergebnis seit 1949! Ohne Schulden, ohne Not, einfach nur durch die Gier getrieben, an die Börse gehen zu wollen.

    Dafür wurde seit der Bahnreform nun schon einiges wieder kaputt geschlagen. Strecken vergammelten so lange, bis nun wieder ein solcher Investitionsstau eingetreten ist, das ein „weiter so“ den Wirtschaftsstandort Deutschland extrem gefährden würde. Und hier sind wir nun angelangt:

    Fahrzeugneubeschaffungen funktionieren nahezu alle nicht so, wie ein Betrieb sich das wünscht. Da man aber nur noch von der Stange kauft, und den Rest bitte der Industrie überlässt, schlagen wir uns inzwischen mit Loks und Wagen rum, die allesamt in Sachen Zuverlässigkeit eher auf den unteren Rängen rangieren. Wagenschäden, Langsamfahrstellen, Baustellen, die das ganze Land durchziehen und jeden Tag Züge die herumstehen, weil die Bahn keine Lokführer dafür hat…..

    Jetzt heißt unser Bundesverkehrsminister, und das ist immer noch der oberste Chef der Deutschen Bahn, „Dobrindt“ der letzte, der noch wirklich Ahnung hatte und vom Fach war war Horst Seebohm. Das ist nur schon so lange her, dass ihn kaum noch jemand kennt. Danach kam nichts mehr, und dementsprechend sieht unsere Deutsche Infrastruktur auch aus. Das es auch anders geht, beweisen täglich die Schweizer, trotz deutlich schwierigerer topographischer Bedingungen. Dort hat man in die Bahn investiert, anstatt sie abzuschaffen und vor allem steht dort so ziemlich jeder hinter der Eisenbahn. Die Schweiz ohne ihre Eisenbahn ist eigentlich undenkbar. In Deutschland kommen gerade Fernbusse und Billigflieger in Mode, die nun die Nische füllen, die die Eisenbahn in Deutschland und EU Europa – in ihrem teuren Hochgeschwindigkeitsrausch – offen lässt. Rasen statt Reisen ist die Devise, koste es was es wolle. Anders sind die Ticketpreise, für den ICE zwischen Frankfurt und Köln, nicht zu erklären, denn dafür nimmt sich die Bahn satte 22,50 an ICE-Zuschlag, gegenüber dem IC über Koblenz. Sorry, aber da brauche ich lieber ein bisschen länger und gehe für die € 22,50 feudal im Speisewagen essen. Aber den hat die Bahn ja auch leider abgeschafft und vergrault die Kundschaft wenn überhaupt, noch mit einem „Bord Bistro“ Bockwurst mit Kartoffelsalat am Stehtisch. Moderne Zeiten…

    Und ja, ich bin ein Eisenbahnfreund. Einer der auch immer gerne mit der Deutschen Bundesbahn gefahren ist. In England läuft inzwischen sehr erfolgreich die Kampagne „Bring back Britisch Rail“, weil die Menschen dort ihre private Eisenbahn derart gründlich satt haben, dass die für eine Staatsbahn auf die Straße gehen. Lange kann das eigentlich nicht mehr dauern, dann haben wir das auch hier.

    Ich bin Eisenbahnfreund, wie kann ich da noch ein Freund der Deutschen Bahn sein? Sie macht es mir doch so verdammt schwer….

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