Ich bin genervt

Na? Habt ihr euch heute auch schon euren Beruf von anderen Erklären lassen?
Nein? Dann seid ihr keine Lokführer.

Ich bin genervt.
Schwer genervt.
Ich bin genervt von dem anhaltenden Lokführer Bashing.
Ich bin genervt davon, mir von „IT Beratern“, Köchen, Bürokaufleuten, Journalisten, Schülern und vielen andern meinen Beruf erklären zu lassen.
Was ich angeblich tue. Oder vor allem NICHT tue.
Von Leuten, die vom Beruf Lokführer ungefähr so viel Ahnung haben „wie die Kuh vom Eier legen“.
„Ihr müsst doch nur Knöpfchen drücken“ oder „Ihr seid doch sowieso nur dazu da, den Zug zu überwachen“ sind da die gängigsten Falschaussagen.

„Der Maurer muss doch lediglich ein Stein auf den anderen legen“
„Eine Erzieherin ist doch lediglich zum Aufpassen auf die Kinder da“
„Der Lehrer muss nicht mehr machen, als aus einem Buch vorlesen“
„Altenpfleger? Krankenpfleger? Den Leuten das Essen bringen kann ich auch“
Die Liste ließe sich jetzt von beliebig fortsetzen.
Aber was haben diese Aussagen gemeinsam?
Richtig. Sie sind sehr oberflächlich. Und Falsch.
Von jemandem verfasst, der sich in diesen Berufen nicht auskennt.
Ihrer Tätigkeiten allenfalls von außen betrachtet.

Und das ist der springende Punkt.
Denn auch die Aussagen über den Lokführer dieser Tage, vom „Knöpfchendrücker“ und „Aufpasser“, zielen einzig und allein auf eine Herabsetzung und Denunzierung der Tätigkeit ab.
Von Leuten, die den Beruf allenfalls von außen betrachten. Oberflächlich.

Genau wie bei Erziehern, Maurer usw. steckt auch beim Lokführer mehr hinter seiner Tätigkeit, als der Laie von außen erkennt.
Der Lokführer passt nicht nur den Zug auf.
Die Zugsicherungssysteme nehmen dem Lokführer nicht die Arbeit ab.
Und der Lokführer sitzt nicht nur zur Beruhigung der Fahrgäste im Führerstand.

Lokführer müssen Millionenteuren und technisch anspruchsvollen Lokomotiven und Triebfahrzeuge von Grund auf technisch und fahrerisch beherrschen.
Lokführer müssen auch die Wagen- und Bremstechnik aus dem Effeff beherrschen und sicher handhaben.
Lokführer müssen die Züge so im Griff haben, dass sie trotz Bremswegen von bis zu 1000 Metern jederzeit sicher dort zum stehen kommen, wo sie es wollen und müssen. Bei jedem Wetter! Tag und Nacht!
Jede betriebliche Situation mmüssen sie beherrschen.
Von einem defekten Signal, einer beschädigten Oberleitung, außergewöhnlichen Verhältnissen wie Baustellen…
Jede erdenkliche Situation müssen sie kennen und souverän abarbeiten, immer unter Beachtung größtmöglicher Sicherheit!

Diesen Job erledigt kein Computer. Sondern der Mensch.
Die Lokführer.

——
Wer mehr über den Beruf erfahren möchte, kann sich über TF-Ausbilung.de oder Wikipedia informieren.

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Eine Antwort zu Ich bin genervt

  1. gnaddrig schreibt:

    Jetzt stelle ich mir vor, wie schnell die Ihr-müsst-ja-nur-Knöpfchen-drücken-Fraktion aus dem Zug springt, wenn sie hört, dass vorne jemand ohne Lokführerausbildung sitzt, der zur Vorbereitung vielleicht eine Stunde lang „Train Simulator“ gespielt hat. Die lassen sich bestimmt auch von Autodidakten den Blinddarm operieren (gibt sicher Youtube-Videos, wie das geht, oder das Medizin-Survival-Buch von Rüdiger Nehberg).

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